DGUV Vorschrift 2: Einsatzzeiten der Grundbetreuung berechnen
26. August 2026, aktualisiert 14. Oktober 2026 · 9 Min. Lesezeit · GBUPilot RedaktionDer gewichtete Beschäftigtenwert entscheidet über die Schwelle, die bestätigte Zeitbasis über die Einsatzstunden. Beide dürfen nicht automatisch gleichgesetzt werden. Für Anlage 2 wird der bestätigte Rechenwert mit 2,5, 1,5 oder 0,5 Stunden je nach Betreuungsgruppe multipliziert.
Wie viele Stunden Betriebsarzt und Fachkraft für Arbeitssicherheit braucht Ihr Betrieb? Zuerst ist zu klären, ob Anlage 2 der DGUV Vorschrift 2 gilt. Danach zählen Betreuungsgruppe und die für Ihren Betrieb bestätigte Zeitbasis. Die Teilzeitgewichtung für die Schwelle darf nicht ungeprüft in die Stundenrechnung übernommen werden. Dieser Beitrag trennt beide Rechenschritte und zeigt, welche Angaben der bestehende Rechner benötigt.
- Zwei Bestellpflichten, und beide stehen im Gesetz
- Schritt 1: der gewichtete Beschäftigtenwert
- Schritt 2: Anlage 1 oder Anlage 2, und warum die Schwelle gerade wandert
- Schritt 3 und 4: Betreuungsgruppe und Zeitbasis getrennt prüfen
- Was die Zahl nicht abdeckt
- Ein Betrieb, drei bestätigbare Zeitbasen: was sich rechnerisch ändert
- Häufige Fragen
- Das Wichtigste in Kürze
Zwei Bestellpflichten, und beide stehen im Gesetz
Vor jeder Stundenrechnung steht eine Pflicht, die keine Zahl braucht. Nach § 2 Abs. 1 ASiG hat der Arbeitgeber Betriebsärztinnen oder Betriebsärzte zu bestellen, nach § 5 Abs. 1 ASiG Fachkräfte für Arbeitssicherheit. Beides schriftlich, und beides unabhängig davon, wie klein der Betrieb ist.
Wie viel Betreuung daraus wird, sagt das Arbeitssicherheitsgesetz nicht. Das regelt die DGUV Vorschrift 2, und ihre Verbindlichkeit ist eine andere: Sie ist eine Unfallverhütungsvorschrift und damit autonomes Recht der Unfallversicherungsträger nach § 15 Abs. 1 SGB VII. Für die Mitgliedsbetriebe ist sie verbindlich, ein staatliches Gesetz ist sie nicht.
Gesetz: das ASiG. Die Bestellpflicht selbst.
Unfallverhütungsvorschrift: die DGUV Vorschrift 2. Verbindlich für Mitgliedsbetriebe, kein staatliches Gesetz.
DGUV-Regel: etwa die DGUV Regel 100-002. Sie enthält fachliche Empfehlungen. Ihr Vorspann stellt ausdrücklich klar, dass keine Vermutungswirkung entsteht. Gesetzliche und durch Unfallverhütungsvorschrift begründete Pflichten bleiben maßgeblich.
Schritt 1: der gewichtete Beschäftigtenwert
Für die Schwellenprüfung wird Teilzeit gewichtet. § 2 Abs. 5 DGUV Vorschrift 2 verlangt jährliche Durchschnittszahlen und nennt für die Schwellenwerte diese Faktoren:
| Regelmäßige Wochenarbeitszeit | Faktor |
|---|---|
| nicht mehr als 20 Stunden | 0,5 |
| mehr als 20 und nicht mehr als 30 Stunden | 0,75 |
| mehr als 30 Stunden | 1,0 |
Ein Betrieb mit 12 Vollzeitkräften, 6 Beschäftigten mit 25 Wochenstunden und 4 Aushilfen mit 10 Wochenstunden zählt 22 Köpfe. Sein gewichteter Wert beträgt 12 mal 1,0 plus 6 mal 0,75 plus 4 mal 0,5, also 18,5.
Der Unterschied ist keine Feinheit: Zwischen 22 und 18,5 liegt in diesem Beispiel die Schwelle, an der die nächste Entscheidung hängt.
- Gewichteten Wert bilden Jahresdurchschnitt, Teilzeit mit 0,5 / 0,75 / 1,0 (§ 2 Abs. 5 DGUV Vorschrift 2).
- Anlage bestimmen Anlage 1 für kleine Betriebe, Anlage 2 darüber. Wo die Schwelle liegt, hängt an der Fassung Ihres Unfallversicherungsträgers.
- Betreuungsgruppe nachschlagen Die Zuordnung nach Wirtschaftszweig steht in Anlage 2 Abschnitt IV.
- Zeitbasis klären und rechnen Erst die für den Betrieb bestätigte Grundlage mit dem Gruppenfaktor multiplizieren. Der Schwellenwert ist nicht automatisch die Zeitbasis.
Schritt 2: Anlage 1 oder Anlage 2, und warum die Schwelle gerade wandert
Feste Einsatzzeiten kennt nur Anlage 2. Anlage 1 verlangt stattdessen die Unterstützung bei der Gefährdungsbeurteilung und eine anlassbezogene Betreuung, ohne Stundenzahl. Welche der beiden gilt, entscheidet der gewichtete Wert.
Und genau hier steht der Punkt, an dem viele Auskünfte zu genau klingen. Die Fassung 2011 zieht die Grenze bei 10 Beschäftigten, der Mustertext vom November 2024 bei 20. Der Mustertext gilt aber nicht bundesweit an einem Stichtag: Weil die DGUV Vorschrift 2 autonomes Recht ist, setzt ihn jeder Unfallversicherungsträger für sich in Kraft. Den Anfang machte die Berufsgenossenschaft Holz und Metall am 1. April 2025.
- Keine festen Einsatzzeiten
- Unterstützung bei der Gefährdungsbeurteilung
- Anlassbezogene Betreuung
- Wiederkehrende Unterstützung nach Abschnitt I
- Grundbetreuung mit fester Stundenzahl
- Betreuungsgruppe nach Wirtschaftszweig
- Dazu der betriebsspezifische Teil
- Mindestanteil je Leistungserbringer
Für den Beispielbetrieb mit 18,5 heißt das: Nach der Fassung 2011 liegt er über 10 und damit in Anlage 2. Nach dem Mustertext von 2024 liegt er unter 20 und damit in Anlage 1. Beide Auskünfte sind richtig, aber nur eine gilt für ihn. Welche, sagt sein Unfallversicherungsträger und niemand sonst.
Schritt 3 und 4: Betreuungsgruppe und Zeitbasis getrennt prüfen
Liegt Anlage 2 fest, nennt Abschnitt II die Einsatzzeit der Grundbetreuung je Beschäftigtem und Jahr. Sie hängt an der Betreuungsgruppe, die sich nach dem Wirtschaftszweig richtet (Anlage 2 Abschnitt IV):
| Betreuungsgruppe | Stunden je Beschäftigtem und Jahr |
|---|---|
| I | 2,5 |
| II | 1,5 |
| III | 0,5 |
Für die Einsatzzeiten empfiehlt die BGW ein Zwei-Stufenmodell: bis 20 Wochenstunden Faktor 0,5, darüber Faktor 1. Drei Stufen sind dort nur bei angemessener Gefährdungsbeurteilung einschließlich abgeleiteter Maßnahmen und erfolgter Wirksamkeitskontrolle möglich. Die BGHW beschreibt dagegen die drei Faktoren 0,5, 0,75 und 1. Diese Trägerangaben sind kein allgemeines Wahlrecht für das günstigste Ergebnis. Klären Sie die Grundlage für Ihren Betrieb; der Rechner ordnet sie nicht automatisch zu.
Der Rechner bietet Kopfzahl sowie Zwei- und Drei-Stufenmodell als ausdrücklich zu bestätigende Grundlagen an. Andere Modelle bildet er nicht ab. Solange die Zeitbasis unbekannt ist, nennt er keine Stunden. Die Schwelle für Anlage 1 oder 2 bleibt unabhängig von dieser Auswahl.
Diese Zahl ist ein Summenwert für beide zusammen, für die Betriebsärztin oder den Betriebsarzt und für die Fachkraft für Arbeitssicherheit. Sie ist keine Zahl je Person, und sie verdoppelt sich nicht.
Aufgeteilt wird sie mit einem Mindestanteil von 20 Prozent für jeden der beiden Leistungserbringer (Anlage 2 Abschnitt II, Fassung November 2024). Wie die restliche Zeit verteilt wird, legt die Vorschrift nicht fest: Das vereinbaren Sie mit beiden.
In der Fassung 2011 muss jede Profession neben dem 20-Prozent-Anteil mindestens 0,2 Stunden je maßgeblichem Beschäftigten und Jahr erhalten. In Gruppe III liegt diese absolute Untergrenze über dem 20-Prozent-Anteil. Im Mustertext November 2024 ist sie entfallen. Deshalb ist die tatsächlich geltende Fassung auch für die Aufteilung zu klären.
Was die Zahl nicht abdeckt
Grundbetreuung und betriebsspezifischer Teil bilden zusammen die Gesamtbetreuung (Anlage 2 Abschnitt I). Für den zweiten Teil gibt es keine allgemeine Pauschalstundenzahl: Sein Umfang ist vom Unternehmer zu ermitteln, regelmäßig und bei wesentlichen Änderungen zu überprüfen und erforderlichenfalls anzupassen.
Ihr Unfallversicherungsträger kann in der DGUV Regel 100-002 Betreuungszeiten empfehlen. Solche Empfehlungen helfen bei der Bedarfsermittlung, ersetzen aber keine betriebliche Prüfung und entfalten keine Vermutungswirkung.
Zwei weitere Posten gehören ausdrücklich nicht in die Grundbetreuung, und beide werden regelmäßig hineingerechnet:
- Wegezeiten können nicht als Einsatzzeiten angerechnet werden (Anlage 2 Abschnitt I).
- Arbeitsmedizinische Vorsorge ist nicht auf die Einsatzzeiten der Grundbetreuung anzurechnen. Sie gehört zum betriebsspezifischen Teil.
Dazu kommt die Form der Leistung. Nach § 6 Abs. 1 DGUV Vorschrift 2 in der Fassung November 2024 ist die Betreuung grundsätzlich in Präsenz zu erbringen. In der Regelbetreuung nach Anlage 1 und Anlage 2 ist die Nutzung digitaler Technologien bis zu einem Drittel der Leistungen möglich, wenn der Betrieb durch eine Erstbegehung bekannt ist. Darüber hinaus geht es nur, soweit der Unfallversicherungsträger es geregelt hat; die Hälfte der Gesamtleistungen ist dabei die Obergrenze dieser Öffnung und nicht der Normalfall.
Ein Betrieb, drei bestätigbare Zeitbasen: was sich rechnerisch ändert
Ein zweiter Beispielbetrieb hat 20 Personen mit mehr als 30 Wochenstunden, 2 mit 25 Stunden und 4 mit 10 Stunden. Der gewichtete Schwellenwert beträgt 23,5 bei 26 Personen; Anlage 2 gilt damit nach beiden betrachteten Fassungen. Bei angenommener Gruppe II ergibt die Kopfzahl 39 Stunden, das Zwei-Stufenmodell 36 Stunden und das Drei-Stufenmodell 35,25 Stunden Grundbetreuung im Jahr. Welcher Wert anwendbar ist, hängt an der bestätigten Zeitbasis, nicht am gewünschten Ergebnis.
| Bestätigte Zeitbasis | Rechenwert | Grundbetreuung gesamt | 20-Prozent-Anteil je Profession |
|---|---|---|---|
| Kopfzahl | 26 | 39 Stunden | 7,8 Stunden |
| Zwei Stufen | 24 | 36 Stunden | 7,2 Stunden |
| Drei Stufen | 23,5 | 35,25 Stunden | 7,05 Stunden |
| Unbekannt | offen | keine Stundenangabe | keine Stundenangabe |
Auch für den Arbeitsschutzausschuss gewichtet § 11 ASiG Teilzeit mit 0,5 bis 20 und 0,75 bis 30 Wochenstunden. Die Schwelle lautet mehr als zwanzig. Der erste Beispielbetrieb mit 22 Köpfen und dem gewichteten Wert 18,5 überschreitet sie daher nicht; der zweite mit 23,5 überschreitet sie. Der Ausschuss tritt mindestens einmal vierteljährlich zusammen. Anders als § 2 Abs. 5 DGUV Vorschrift 2 nennt § 11 ASiG keinen Jahresdurchschnitt. Der Rechner verwendet dieselbe eingegebene Belegschaft für beide Prüfungen und weist diese Grenze aus.
Der Rechner für die Betriebsarzt-Einsatzzeiten trennt Schwellenwert und bestätigte Zeitbasis. Bei unbekannter Fassung nennt er beide Modellfälle; bei unbekannter Zeitbasis bleibt die Stundenzahl offen. Die Bestellpflicht im Kleinbetrieb und die Gefährdungsbeurteilung ab dem ersten Mitarbeiter sind gesonderte Aufgaben.
Einen Bußgeldrahmen nennt dieser Beitrag bewusst nicht. Die 25.000 Euro des § 20 Abs. 2 ASiG hängen an Absatz 1 Nummer 1, also an der Zuwiderhandlung gegen eine vollziehbare behördliche Anordnung nach § 12 Abs. 1 ASiG. Für die fehlende Bestellung selbst ist kein Betrag belegt, und eine geschätzte Zahl wäre schlechter als keine.
Häufige Fragen
Wie viele Stunden Betriebsarzt und Fachkraft braucht mein Betrieb?
Für Anlage 2 gelten in Gruppe I 2,5, in Gruppe II 1,5 und in Gruppe III 0,5 Stunden je maßgeblichem Beschäftigten und Jahr. Multipliziert wird mit der für Ihren Betrieb bestätigten Zeitbasis, nicht automatisch mit dem Schwellenwert. Das Ergebnis gilt für beide Professionen zusammen. Der betriebsspezifische Bedarf kommt hinzu.
Zählen Teilzeitkräfte voll mit?
Für die Schwellenprüfung gelten 0,5 bis 20 Wochenstunden, 0,75 bis 30 und 1 darüber. Bei den Einsatzzeiten ist die Zeitbasis gesondert zu klären: Die BGW empfiehlt zwei Stufen und lässt drei unter Voraussetzungen zu; die BGHW beschreibt drei. Ohne geklärte Grundlage nennt der Rechner keine Stunden.
Gilt die Schwelle von 20 Beschäftigten schon für meinen Betrieb?
Das entscheidet Ihr Unfallversicherungsträger. Der Mustertext der DGUV Vorschrift 2 vom November 2024 hebt die Schwelle zwischen Anlage 1 und Anlage 2 von 10 auf 20, tritt aber je Träger zu einem eigenen Termin in Kraft; die Berufsgenossenschaft Holz und Metall machte am 1. April 2025 den Anfang. Solange die Fassung nicht feststeht, sind beide Ergebnisse möglich.
Darf die Betreuung online stattfinden?
Teilweise. Nach § 6 Abs. 1 DGUV Vorschrift 2 in der Fassung November 2024 ist die Betreuung grundsätzlich in Präsenz zu erbringen. In der Regelbetreuung sind bis zu einem Drittel der Leistungen digital möglich, wenn der Betrieb durch eine Erstbegehung bekannt ist. Mehr ist nur zulässig, soweit der Unfallversicherungsträger es geregelt hat, und höchstens bis zur Hälfte der Gesamtleistungen.
Zählen Wegezeiten als Einsatzzeit?
Nein. Anlage 2 Abschnitt I DGUV Vorschrift 2 schließt die Anrechnung von Wegezeiten aus. Ebenfalls nicht anzurechnen ist die Durchführung der arbeitsmedizinischen Vorsorge; sie ist Bestandteil des betriebsspezifischen Teils der Betreuung.
Das Wichtigste in Kürze
Der gewichtete Beschäftigtenwert entscheidet über die Schwelle, die bestätigte Zeitbasis über die Einsatzstunden. Beide dürfen nicht automatisch gleichgesetzt werden. Für Anlage 2 wird der bestätigte Rechenwert mit 2,5, 1,5 oder 0,5 Stunden je nach Betreuungsgruppe multipliziert.
Das Ergebnis ist die Grundbetreuung für beide Professionen zusammen. Jede erhält mindestens 20 Prozent, unter der Fassung 2011 zusätzlich mindestens 0,2 Stunden je maßgeblichem Beschäftigten und Jahr. Der individuell zu ermittelnde betriebsspezifische Bedarf kommt hinzu.
Ob überhaupt Anlage 2 gilt, hängt an der Fassung, die Ihr Unfallversicherungsträger in Kraft gesetzt hat: Die Fassung 2011 zieht die Grenze bei 10, der Mustertext November 2024 bei 20 Beschäftigten. Die Bestellpflicht selbst steht dagegen im Gesetz, in § 2 Abs. 1 und § 5 Abs. 1 ASiG, und gilt schriftlich und ohne Schwelle.
- Arbeitssicherheitsgesetz (ASiG)
- § 15 SGB VII – Unfallverhütungsvorschriften
- DGUV Vorschrift 2, Mustertext Fassung November 2024
- DGUV: Aktualisierte DGUV Vorschrift 2 tritt schrittweise in Kraft
- § 11 ASiG – Arbeitsschutzausschuss und Teilzeitgewichtung
- BGW: Teilzeitkräfte und Einsatzzeiten
- BGHW: Grundbetreuung ermitteln
- DGUV Regel 100-002, insbesondere Seite 3: keine Vermutungswirkung
- DGUV Vorschrift 2 der BG BAU, Fassung 2011
Dieser Beitrag dokumentiert Pflichten und Fristen und ersetzt weder eine Fachkraft für Arbeitssicherheit noch eine Rechtsberatung. Maßgeblich ist die Prüfung Ihres Betriebs im Einzelfall.